Glaubensfrage

An einer katholischen Schule in der Bronx führt Schwester Aloysius Beauvier im Jahr 1964 ein strenges Regiment. Der neue Pfarrer geht die Dinge dagegen gerne etwas liberaler an. Da ist die Konfrontation der beiden unausweichlich. Schwester Aloysius weiß, dass sie sich gegen den sogenannten Zeitgeist stellt und auf so gut wie verlorenem Posten kämpft. Ihre Entschlossenheit ändert das nicht. Ihre Chance sieht sie, als der Verdacht auftaucht, der Pfarrer habe einen kleinen Jungen mißbraucht. Aber was ist dran an dem Vorwurf ? Ist es vielleicht nur eine Intrige der Schwester ?

"Glaubensfrage" ist Schauspielerkino vom Feinsten, mit gleich drei Oscargewinnern in den Hauptrollen - Meryl Streep, Philip Seymour Hoffman und Amy Adams. Meryl Streep spielt mit Leichtigkeit den bissigen Drachen - was für ein Vergleich mit ihrer Rolle in "Mamma Mia" - schrammt aber nur knapp am Klischee vorbei, ebenso wie Amy Adams als naïve Nachwuchsschwester.

Die Kirche wird hier exemplarisch als verkrustetes Machtsystem gezeigt. Dabei hat jeder sich an die Regeln zu halten, kann aber auch bedingungslos auf die Rechte seiner Position pochen. Und dafür ist sich dann auch der liberale Pfarrer nicht zu schade, als es ihm nützt.

Hinter der Fassade wird allerdings intrigiert auf Teufel komm raus.

Um den Glauben an sich geht es dabei nicht. Viel ungenauer und dadurch doch treffender ist der englische Titel "Doubt", also Zweifel. Es geht um eine höchst intellektuelle Auseinandersetzung über die Frage wann man sich einer Sache sicher sein kann. Wann wird aus einer Andeutung eine Vermutung, ein Verdacht, ein Indiz , ein Beweis. Und wie weit darf man gehen um Schlimmeres zu verhindern, wenn man noch Zweifel hat. 

Zugleich ist "Glaubensfrage" eine Studie über Angstherrschaft und Denunziantentum.

Der Wind fungiert dabei als etwas plumpe Metapher des Wandels ("Der Wind hat sich gedreht").

 

Wenn die Schlüsselworte "katholische Kirche" und "Kindesmißbrauch" auftauchen, erwartet man vielleicht eine künstlerische Stellungnahme des Films zu aktuellen Vorgängen.Ein Film der zeigt wie das System die Kinderschänder in Reihen der Priester schützt, wäre auch ein interessantes Thema. Das leistet "Glaubensfrage" jedoch nicht.
Bis zuletzt bleibt unklar, was an den Vorwürfen gegen den Priester dran ist.

Stattdessen gibt es ein hintergründiges Drama, mit geschliffenen Dialogen, exzellenter Ausstattung und hervorragend deprimierender Zeitstimmung.

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