Der Vorleser

 

Im Nachkriegsdeutschland lernt der Schüler Michael Berg die alleinlebende  

Erwachsene Hanna kennen. Zunchst ist sie abweisen. Aber nach und nach entwickelt sich eine Freundschaft und noch mehr. Mit Hanna erlebt Michael den ersten Sex, und quasi als Gegenleistung liest er ihr Geschichten vor. Dabei stellt sich langsam heraus, dass Hanna nicht nur ungebildet ist, sondern schlicht nicht lesen kann. Dies zuzugeben bedeutet für Hanna aber zu viel Nähe. Sie bricht den Kontakt ab. Jahre später trifft Michael, der inzwischen Jura studiert, Hanna wieder. Sie steht als ehemalige KZ-Aufseherin vor Gericht. Wenn sie zugeben würde, dass sie nicht lesen kann, würde das ihre Strafe erheblich beeinflussen. Aber selbst jetzt ist dazu nicht bereit.

 

Der Vorleser, basierend auf einem gefeierten Besteller wurde viel diskutiert und mehrfach ausgezeichnet, unter anderm mit dem Oscar für Kate Winslet.

Für mich funktionierte der Film dagegen überhaupt nicht. Die hier behauptete erotische Anziehungskraft von Miss Winslet entgeht mir völlig.

Nun waren allerdings die 50er eine Zeit, in der Erotik eher dünn gesät war. Vielleicht hat da noch ein hochgerollter Damenstrumpf in Fleischfarbe was gebracht. Aber heute ???

Nimmt man dazu noch , wen sie da spielt - eine Massenmörderin - die den Tod tausender schlicht verdrängt hat, wird "Der Vorleser" glatt zum Gruselfilm. Vielleicht sollte man das vorm Anschauen nicht wissen, aber dem P.R.-Ansturm konnt man nun wirklich nicht entgehen. Dass Winslet im Film dazu noch so wirkt , als hätte sie schon häufiger Teenies verführt, machts auch nicht besser.

Ist "Der Vorleser" also die Geschichte eines erotischen Erwachens ? Dann dürfte Hannas ruppige Dominamasche ("Oh ja, Jungchen") bei Michael dauerhafte Schäden hinterlassen. Andererseits neigt die Verführerin immer mal wieder zu kindlichen Emotionen. Und dann noch diese Waschrituale. Da bekommt die Amour Fou mit der KdF-Domina schon leicht etwas inzestuöses. 

Was soll also das Ganze ? Eine Metapher für die Affäre des deutsches Volks mit dem Faschismus, die Verführbarkeit und die Schuldgefühle ? Dazu passt dass Michael prompt zum Ende der 60er Jahre die Wahrheit erkennt, die Vergangenheit aufgearbeitet wird. Dazu passt dann auch das Suchen nach Vergebung, als Michael stellvertretend für Hanna in den USA die Opfer aufsucht. 

Die Moral von der Geschichte:

Dummheit tötet. Und das Mitleid zerstört auch Michaels Leben. Der Weg zu dieser Erkenntnis ist allerdings ziemlich behäbig inszeniert. Muss man nicht gesehen haben.

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