Der Mongole

Aufwendiges Historiendrama über die Anfangsjahre von Dschingis Kahn.

Im Zentrum steht dabei eine wirklich schöne Liebesgeschichte – und - neben dem titelgebenden Helden auch eine für das Genre erfrischend moderne, kraftvolle Frau. Dazu gibts schöne Landschaftsaufnahmen in unverbrauchter Umgebung. Und zu Beginn lässt sich der Film auch angenehm viel Zeit, den Figuren Charakter zu geben.

Die Actionszenen sind dann etwas zu zeitlupenlastig mit kräftigem Einsatz von zuviel Digitalblut.

Die Dramaturgie ist immer wieder etwas holprig. Immer wieder werden etliche Jahre übersprungen und wichtige Ereignisse ausgelassen. Ganz plötzlich hat Temudjin eigene Kämpfer, praktisch über Nacht wird er zum fanatischen, visionären Anführer. Der dann , obwohl sonst ein liebender Ehemann und verspielter Vater ohne mit der Wimper zu zucken eigene Soldaten opfert oder hinrichten lässt.

Das Ende kommt recht unvermittelt, vielleicht gibts ja tatsächlich noch einen zweiten Teil. Zum Abspann sickert dann urplötzlich holpriger FolkMetal aus den Boxen und ruiniert in Sekunden jede aufgebaute Atmosphäre..

 

Dass ein japanischer Superstar, eine mongolische Laiendarstellerin und russischer Regisseur hier zusammenarbeiten ist allein schon eine bemerkenswerte Mischung. Dabei machen alle Darsteller, ihre Sache richtig gut. Und angesichts der Tatsache, dass Dschingis Khan in Russland immer noch eher als eine Art historische Naturkatastrophe gesehen wird, ist diese doch durchaus wollwollende Darstellung ein kleines Wunder.

Hier ist der junge Temudjin ein Ausgestoßener, der schon als Junge etwas andere Ansichten zur Tradition hat, seinen eigenen Kopf durchsetzt und Bräuche nur beachtet, wenn es ihm passt. Er nimmt sich eine moderne, kluge Frau (oder sie nimmt eher ihn), er akzeptiert die Kinder, die sie notgedrungen mit anderen hat.

Offenbar ist dem Team aber irgendwann die Zeit oder das Geld ausgegangen, um das Konzept durchzuhalten. So schwankt der Ton und das Tempo immer mal zwischen einem authentischen historischen Bio-Pic und einem leicht konsumierbaren Schlachtendrama.

Trotzdem hat “Der Mongole” viele bemerkenswerte Momente und ist für Leute , die mal ein aufwändiges Historien-Epos jenseits von marktgruppengerechter Hollywood-Konfektion sehen auf alle Fälle mehr als einen Blick wert.

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