Hancock

Er trinkt, er flucht und seine Körperpflege lässt auch zu wünschen. Hancock (Will Smith) lebt auf den Straßen von Los Angeles. Dabei kann er die Gosse in Sekundenbruchteilen hinter sich lassen. Denn Hancock kann fliegen, er verfügt über enorme Kraft und ist nahezu unverwundbar. Ein Superheld wie er in keinem Buche steht. Tatsächlich macht er sich immer wieder nützlich bei der Verbrechensbekämpfung, wenn der Superhelden-Kater es zulässt.

Aber seine planlosen, impulsiven Einsätze verusachen regelmäßig mehr Schaden als sie verhindern – und bringen ihm zunehmend den Zorn der Bewohner von Los Angeles ein.

Als Hancock dem erfolglosen Werbe-Manager Ray (Jason Bateman) das Leben rettet hat er allerdings einen treuen Fan, einen echten Freund und ein engagierten PR-Berater. Mit viel Hartnäckigkeit kann er Hancock überzeugen, dass es so nicht weitergeht, auch wenn Rays Frau Mary (Charlize Theron) von dem ungehobelten Besucher alles andere begeistert ist. Erste Maßnahme: Hancock soll sich ans Gesetz halten – und folgerichtig eine Haftstrafe für seine Sachbeschädigungen antreten. Das Kalkül dahinter: Ohne Superheldenhilfe wird die Stadt im Verbrechen versinken und den ruppigen Retter schon bald wieder herbeisehnen. Dann müssen nur noch Hancocks Wutausbrüche gezügelt und das bislang eher schlampige Outfit überarbeitet werden. Allerdings fällt es Hancock schwer, im Gefängnis stillzusitzen, schließlich kann ihm eigentlich keine Mauer und keine Gitter standhalten. Im Knast trifft Hancock zwar auch auf viele Bekannte, die ihm an die Wäsche wollen. Aber die Auszeit und die ehrliche Anteilnahme von Ray helfen Hancock auch, zur Ruhe zu kommen, um dem Rätsel auf den Grund zu gehen, woher er kommt, wer er wirklich ist, und wie er so tief unten landen konnte.

 

DIE STARS

Scheint so als könnte Will Smith nichts falsch machen. Auch die Gerüchte über engere Kontakte von Will Smith zu Scientology (Seine Frau Jada Pinkett-Smith und seiner enger Freund Tom Cruise sind Mitglieder der Sekte) konnten sein Karriere-Hoch nicht stoppen. Jeder seine Filme der letzten Jahren haben mehr als 100 Millionen Dollar eingespielt, egal ob Science-Fiction, Action, Komödie oder Drama. Das einzige was ihm derzeit zum perfekten Glück noch fehlt ist ein Oscar.

Den hat sein Co-Star in Hancock, Charlize Theron bereits eingesackt, in dem sie Mut zur Häßlichkeit bewies und unter einer entstellenden Maske die Massenmörderin Aileen Wuornos in "Monster" spielte. In Hancock hat ihre Maske das typische Aussehen einer Modell-Mutti wie aus dem Versandhauskatalog. Dahinter verbirgt sich allerdings auch wieder etwas ungeheuerliches.

Zwischen den beiden Superstars schlägt sich Jason Bateman ziemlich tapfer, der bereits in vielen Filmen überzeugend den sympathisch-linkischen Biedermann spielte, von „Supersüß und supersexy“ mit Cameron Diaz, über „Trennung mit Hindernissen“ mit Jennifer Aniston bis zum Independent-Hit „Juno“ mit Ellen Page, aber auch in den letzten Filmen von Peter Berg, dem Action-Spektakel „Smokin Aces“ und dem Anti-Terror-Krimi „The Kingdom“ war er zu sehen.

 

DER KICK:

Ein dunkle Seite oder ein tiefes Trauma haben eigentlich alle Superhelden. Bei Superman der Verlust der Heimat, bei Batman der Tod der Eltern, bei Spiderman die Last der Verantwortung. Das macht die Übermenschen erst erträglich , sympathisch und menschlich. In letzter Zeit werden die Superhelden allerdings zunehmend schräger, mal als simple Steigerung der Genre-Formel, mal auch als ironischer Kommentar dazu. Schon „Iron Man“ war im realen Leben ein trinkender Frauenheld, Hellboy ist von vornherein eine Ausgeburt der Hölle.

Hancock treibt dieses Konzept humoristisch auf die Spitze. Superstar Will Smith hat dabei auch im dichtesten Trickgewitter keine Mühe, seiner Figur Biss und Charme , einfach Charakter zugeben, auch wenn er diesmal weit kaputter, schmuddeliger und schnodderiger daherkommt, als man dem Sonnyboy zugetraut hätte. Selbst kleine Kinder und ältere Damen sind diesmal vor Attacken am äußersten Rande der political correctness nicht sicher.

Leider folgt die Läuterung des herrlich verqueren Antihelden genauso zwangsläufig wie in beinahe jedem anderen Hollywood-Film. Das Trauma wird aufgedeckt, das schlechte Benehmen bleibt danach fast automatisch aus, auch wenn die Anpassungsschwierigkeiten des Geläuerten eine Zeitlang für weitere Humorattacken dienen. Aber nach und nach wird „Hancock“ von einer Action-Komödie zu einem Action-Drama, beinahe mit Ausmaßen einer griechischen Tragödie. Das eigentliche Trauerspiel ist, dass am Ende einer der unterhaltsameren Superhelden zurechtgestutzt und auf Linie gebracht wird und dann nur noch einer von vielen ist.

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