Hanami - Kirschblüten

Nach dem Tod seiner Frau macht sich der Bayrische Beamte Rudi auf, ihre unerfüllten Träume zu erfüllen. Dazu gehört vor allem das Fest der Kirschblüte in Japan, „Hanami“. Doris Dörrie zelebriert in ihrer Tragikomödie über die Liebe und die Vergänglichkeit des Lebens erneut ihr Faible für Fernöstliches.

 

DIE STORY

Rudi (Elmar Wepper) hat nicht mehr lange zu leben. Aber um ihm den Schock zu ersparen sagt sein Arzt es nicht ihm, sondern nur seiner Frau Rudi (Hannelore Elsner). Und die will ihrem Mann die letzten Tage, Wochen oder Monate so angenehm wie möglich gestalten. Das bedeutet für Rudi: so ereignislos wie möglich. Sein Berufs- und Privatleben läuft in streng geregelten Bahnen. Die Reise nach Japan zum Fujiama, von der Trudi seit Jahren träumt, steht da außer Frage, denn „ der Fuji ist ja auch nur so ein Berg“, meint Rudi. Und die gibts in Bayern auch. Immerhin kann Trudi ihren Mann überreden, doch einmal die Kinder und Enkelkinder in Berlin zu besuchen. Die fühlen sich allerdings eher überrumpelt und gestört. Auch bei ihnen herrscht gepflegte Routine. Trudi und Rudi ziehen deshalb weiter an die Ostsee für ein romantisches Wochenende – und hier stirbt Trudi auf einmal. Rudi steht vor den Trümmern seines Lebens. Und nach und nach wird ihm klar, was seine Frau für ihn jahrelang aufgegeben hat, dass sie ihre Träume immer den Kindern und dem Mann untergeordnet hat.

Rudi versucht, das Versäumte nachzuholen, teils aus Schuldbewußtsein, teils um seine Frau posthum noch einmal kennenzulernen. Und so reist er alleine nach Japan. Zum Glück arbeitet einer seiner Söhne in Tokyo, so daß er dort nicht ganz allein ist. Aber der vielbeschäftigte Sprößling hat auch sein eigenes Leben und wenig Verständnis für seinen alten Herrn. Rudi hat aber keine Zeit zu verlieren und so erkundet er - Kulturschock hin oder her - das fremde Land auf eigene Faust.

 

DIE STARS

Bei der Berlinale war „Hanami – Kirschblüten“ einer der großen Publikumslieblinge, auch wenn es nicht für einen Preis reichte. Elmar Wepper (63) bekam aber immerhin den bayrischen Filmpreis für seine Rolle als Beamter kurz vor der Rente, dessen geordnete Existenz plötzlich zusammenbricht und der daraufhin sein Leben neu gestalten muss.

An seiner Seite spielt Hannelore Elsner (65) die kunstsinnige aber duldsame Ehefrau, die im Interesse der Familie alle eigenen Ambitionen hintan gestellt hat.

Regisseurin Doris Dörrie hat bereits mit ihrem ersten Film Japan besucht – und seitdem hat das Land sie nicht mehr losgelassen. 17mal war die Wahlmünchenerin inzwischen dort und versucht immer wieder, ihre Faszination für das Land in Bilder zu fassen.

 

DER KICK

In „Hanami – Kirschblüten“ verbindet Regisseurin Doris Dörrie zum drittenmal (Nach „Erleuchtung inbegriffen“ und „Der Fischer und seine Frau“) ihre deutschen Wurzeln und ihre Vorliebe alles Japanische. Durch die Mischung bekommt man als Zuschauer im besten Fall einen neuen Blick auch auf Altbekanntes. Die alltäglichen Kommunikationsprobleme einer gewöhnlichen Familie wurden selten so treffend auf den Punkt gebracht. Dabei torpediert der Film allerdings auch geschickt unsere Erwartungen, wenn auf halbem Weg die Hauptperson wechselt. Bis dahin wird die Geschichte aus der Sicht von Trudi erzählt. Aber dann muß man sich als Zuschauer genau wie Rudi mitten im Film auf eine neue Situation einstellen. Ein cleverer Kunstgriff. Rudis Orientierungslosigkeit im Leben könnte kaum drastischer vorgeführt werden als durch den massiven Kulturschock, den der bayrische Beamte im Tokioter Nachtleben erfährt. Hanami ist eine bewegende Tragikomödie über die Liebe und die Vergänglichkeit des Lebens, poetisch auf den Punkt gebracht durch die Metapher der sehr kurzlebigen japanischen Kirschblüte, ein Aufruf, das Leben auszukosten auch oder gerade wenn man meint, eine wichtige Chance dafür verpasst zu haben. Schwachpunkt des Films ist das Finale, in der Doris Dörrie ein wenig die fernöstlichen Motive durchgehen. Bis dahin hat man aber eine zu Herzen gehende Tragikomödie gesehen, wie sie im deutschen Kino nur selten gelingt.

Logo