Von Löwen und Lämmern 

Drei Hollywood-Superstars in einem Polit-Drama im sechsten Jahr des sogenannten „Kriegs gegen den Terror“.

In „Von Löwen und Lämmern“ zeigen Robert Redford, Tom Cruise und Meryl Streep den verbissenen Kampf um die Wahrheit zwischen Medien und Politik in den USA unter George W. Bush.

 

DIE STORY

Ein überraschendes Exklusiv-Interview beim konservativen Hoffnungsträger Senator Irving (Tom Cruise) macht die liberale Journalistin Janine Roth (Meryl Streep) misstrauisch. Andererseits ist sie geschmeichelt und ahnt eine sensationelle Geschichte. Tatsächlich will Irving ihr als Erste von einer neuen US-Militärstrategie erzählen. Das streng geheime Unternehmen soll den Kampf in Afghanistan endlich für den Westen entscheiden. Roth ist unschlüssig. Ist sie tatsächlich Zeugin der entscheidenden Wende im Kampf gegen den Terror – oder wird sie nur benutzt, wie es den Medien vor dem Irakkrieg schon einmal passiert ist ?

 

Zur gleichen Zeit kämpft in Kalifornien Politprofessor Malley (Robert Redford) um die Aufmerksamkeit eines vielversprechenden Studenten. Todd Hayes (Andrew Garfield) ist ein begabter Redner und kritischer Kopf, aber statt sich zu engagieren lässt er das Studium schleifen und feiert lieber Parties, fest überzeugt, dass sein Einsatz ohnehin nichts ändern würde.

Währenddessen kämpfen zwei US-Soldaten in Afghanistan ums Überleben. Sie sind die Speerspitze der neuen Militäraktion und waren gleichzeitig früher Studenten von Malley.

Ihr Dozent hatte sie überzeugt, sich zu engagieren – und musste dann fassungslos mit ansehen, dass sie ihre Pläne ausgerechnet beim Militär in die Tat umsetzen wollen.

 

DIE STARS

Anfang 2006 übernahm Tom Cruise das traditionsreiche Filmstudio United Artists, oder zumindest den ruhmreichen Namen vom Filmmulti MGM. Kurz zuvor war Cruise von Paramount wegen seiner privaten Eskapaden und seiner öffentlichen Werbung für Scientology-Ideen vor die Tür gesetzt worden. Den Schock hat Cruise aber gut verwunden und für den ersten United-Artists-Film mit Robert Redford gleich einen der renommiertesten Schauspieler und Regisseure von Hollywood verpflichtet. Da war es dann auch kein Problem mehr, mit Meryl Streep eine weitere Filmgröße und Redfords Leinwandpartnerin aus „Jenseits von Afrika“ mit an Bord zu holen.

 

DER KICK

Von Löwen und Lämmern ist minimalistisches Kino auf höchstem Niveau. Zwei Drittel des Film spielen auf wenigen Quadratmetern, im Washingtoner Büro des ehrgeizigen Senators und im Büro des idealistischen Professors in Kalifornien und geben dem Film die klare Struktur einer Theaterinszenierung. Der dritte Handlungsstrang in Afghanistan bietet dann zwar auch packende Action, findet aber auch nur auf wenigen Quadratmetern eines unwirtlichen Gebirgsplateaus statt. Die parallel verlaufenden Geschichten erinnern an ähnliche Polit-Dramen wie Babel oder Syriana, aber in „Von Löwen und Lämmern“ stehen die Handlungsstränge zwar in Beziehung zueinander, aber sie beeinflussen sich nicht gegenseitig. Die Spannung des Films ergibt sich also vor allem aus den packenden Dialogen über die US-Politik, die Ziele und Fehler der Bush-Regierung, über die willfährige Komplizenschaft der Medien und über die Untätigkeit der Mehrheit. Und auch wenn Robert Redford selbst politisch ein entschiedener Gegner der Bush-Regierung ist, macht er es sich nicht so einfach, den Machthabern alle Schuld zuzuweisen. In den Rededuellen wechselt der Vorteil im Minutentakt und erlaubt es dem Zuschauer, sich selbst eine Meinung zu bilden. Dabei haben die Schauspieler jede Menge Platz zu glänzen und sie nutzen ihn, vor allem Tom Cruise mit einer der besten Leistungen seiner Karriere. Dass er als ehrgeiziger, smarter und rücksichtloser Karrierepolitiker so überzeugend ist mag aber auch an seiner eigenen aalglatten, undurchschaubaren Persönlichkeit liegen. In diesem Fall stellt er sein unbestreitbares, aber auch unheimliches Charisma in den Dienst der Rolle und spielt so auf Augenhöhe mit Streep und Redford. „Von Löwen und Lämmern“ ist Schauspielerkino vom Feinsten.      

 

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