Der goldene Kompass 

Mit dem goldenen Kompass kann man jedes Rätsel entschlüsseln und in die Zukunft sehen. Das Mädchen Lyra weiß als einziger Mensch, wie das Gerät funktioniert. Darum wird sie von den finsteren Machthabern des Magisteriums verfolgt. Mit dem gepanzerten Eisbären Iorek bekommt sie bei ihrer abenteuerlichen Flucht bis an den Polarkreis aber auch einen mächtigen Freund.

 

DIE STORY:

Die junge Lyra (Dakota Blue Richards) lebt in einer Welt, die unserer in vielem ähnelt. In diesem Paralellel-Universum wächst sie an der Universität von Oxford auf, wo ihr Onkel, der Wissenschaftler und Abenteurer Lord Azriel (Daniel Craig) sie nach dem Tod ihrer Eltern untergebracht hat. Lord Azriel hat auf seiner letzten Forschungsreise am Nordpol eine bahnbrechende Entdeckung gemacht: Ein Tor zu einem anderen Universum. Diese Erkenntnis  widerspricht aber dem geltenden Glauben und wird daher vom herrschenden Magisterium mit aller Macht unterdrückt. Lord Azriel flüchtet als Ketzer zurück in den Norden. Lyra will ihm unbedingt folgen und lässt sich deshalb mit der glamourösen, geheimnisvollen Mrs. Coulter (Nicole Kidman) ein, die ihrerseits beste Verbindungen zum Magisterium pflegt. Und sie ist offenbar in die mysteriöse Entführung von zahlreichen Kindern verstrickt, darunter auch Lyras Freund Roger. Außerdem hat Mrs. Coulter es auf den goldenen Kompass abgesehen, ein Instrument mit dem man Geheimnisse enträtseln kann und dass Lyra in Oxford anvertraut wurde. Auf der Flucht schließt Lyra sich den Gyptern an, einem exotischen Volk von Seefahrern. Mit ihnen gelangt Lyra schließlich in den hohen Norden, in das Reich der Panzerbären. Hier stellt sie fest, dass die Machenschaften des Magisteriums, die Forschung ihres Onkels, die Intrigen von Mrs.Coulter und die verschwundenen Kinder alle Teil eines einzigen Puzzles sind. Aber mit dem mächtigen Panzerbären Yorek, dem ballonfahrenden Cowboy Lee Scoresby und der Hexe Serafina Pekkala findet sie Freunde, die es mit allen Gefahren aufnehme.


DIE STARS

Die damals 13-jährige Dakota Blue Richards wurde aus 10.000 Bewerberinnen ausgesucht, obwohl sie keine Schauspielerfahrung vorweisen konnte. Und sie erweist sich als Naturtalent, das mit Charme und Selbstbewusstsein auch neben den vielen Stars in „Der goldene Kompass“ besteht. Da ist zuerst Nicole Kidman, die als undurchsichtige Mrs. Coulter eine für Fantasyverhältnisse erstaunlich vielschichtige Schurkenrolle übernimmt und mit einem kräftigen Schuss klassischem Hollywood-Glamour veredelt und Bond-Darsteller Daniel Craig, der als ebenso rauhbeiniger wie aristokratischer Wissenschaftler Lord Azriel in der Filmhandlung leider viel zu kurz kommt. Außerdem dabei sind Ex-Bond-Girl Eva Green als weise Hexe, Sam Elliott als Cowboy mit Luftschiff sowie Ian McKellen und Freddie Highmore, die aber leider nur in der Originalfassung zwei der vielen Computerwesen ihre Stimmen leihen.

 

DER KICK

Der goldene Kompass ist Fantasy für Fortgeschrittene. Autor Philipp Pullman gehört zu einer neuen Generation von Schriftstellern, die nicht nur eine komplett originelle Welt entwerfen, sondern ihren Luftschlössern auch einen politisch und philosphisch interessanten Rahmen verpassen. Pullman lässt dabei sein tiefsitzendes Mißtrauen gegenüber totalitären dogmatischen Machthabern und zentral organisierten Religionen einfließen. Inspiration seiner Trilogie „His Dark Materials“ ist das Gedicht „Paradise Lost“ des britischen Philosophen und Kirchenkritikers John Milton aus dem 17. Jahrhundert, genauso bedient er sich aber bei Naturreligionen und Science-Fiction-Urahn Jules Verne. In Pullmans Paralellwelt, angelehnt an das England des 19.Jahrhunderts surren, Luftschiffe und Elektrokutschen durch prächtige Jugendstilstädte und über imposante Landschaften, daneben tummeln sich exotische Völker Hexen und sprechende Eisbären. Besonders Clou ist allerdings, dass in Pullmans Kosmos jeder Mensch von seiner eigenen Seele in Tiergestalt, seinem Dämon begleitet wird, der gleichzeitig bester Freund, Ratgeber und emotionale Wetterfahne fungiert.

Die pralle Handlung musste für den Film verdichtet werden, so daß er recht atemlos geraten ist, und nicht nur jüngere Zuschauer können leicht den Überblick verlieren. Angesicht der recht heftigen Kämpfe und einiger sehr düsterer Vorfälle im Finale sollte die Altersfreigabe von 12 Jahren auch unbedingt beachtet werden. Die fantastischen Landschaften und Figuren sind allerdings rundum gelungen und entführen den Zuschauer für (viel zu kurze) 113 Minuten in eine exotische überzeugende Welt. 

Der mangelnde finanzielle Erfolg macht eine Fortsetzung in absehbarer Zeit höchst unwahrscheinlich. Leider wurde das Filmende aber noch zugunsten von Teil 2 verkürzt und wirkt so etwas abrubt. Bleibt zu hoffen, dass das  tatsächlich gefilmte Romanende irgendwann doch noch veröffentlicht wird um die Fans wenigstens ein wenig zu versöhnen.

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