...and the loser is....

Was ist denn da passiert ? Avatar, der lukrativste Film aller Zeiten wurde bei den Oscars abgewatscht. Drei Preise für die herausragende, bahnbrechende Technik gab es, aber keinen für den Mann, der das alles erst angeschoben hat. James Cameron musste mit ansehen, wie seine Ex-Frau Kathryn Bigelow ihm die bedeutenden Trophäen für die Regie und den besten Film wegschnappte.

Dabei hatte die Academy eigens den Kreis der nominierten Filme auf zehn erhöht, um auch massenkompatible Werke einzubeziehen und so mehr Zuschauer anzulocken. Und dann wurde diese Strategie als pure Kosmetik entlarvt. Der Preis ging an ein realistisches, vergleichsweise billiges Drama zu einem aktuellen Thema. Avatar braucht die Werbewirkung der Oscars natürlich nicht so sehr wie "Hurt Locker". Ein schlechter Geschmack bleibt aber, weil schon im Vorfeld gefordert wurde, dass nun endlich mal eine Frau gewinnen müsste. Der Oscar für den besten Film wurde damit einer vermeintlichen emanzipatorischen Bringschuld geopfert, und eben nicht nach künstlerischen Gesichtspunkten vergeben. Und eine neue weibliche Perspektive in den Filmen von Bigelow sucht man auch vergeblich.

Wer in der Auszeichnung für "The Hurt Locker" eine politische Stellungnahme zum unbequemen Thema Irakkrieg sieht, hat recht. Dabei ist der Film selbst in der Frage merkwürdig konturlos. Bitte nicht missverstehen: "Tödliches Kommando" bietet eine enorme Spannung und eine sehr authentische Atmosphäre. Das haben andere Irakkriegsfilme aber auch schon getan. Aber auch "The Hurt Locker" nimmt in dem Konflikt eine amerikazentristische Position ein. Ein Blick über den Tellerrand, Verständnis für die eigentlichen Opfer, die Iraker ist noch nicht einmal Nebensache. Stattdessen füttert der Film die diffuse "Support our troops"-Stimmung in den USA. Ein grundlegendes Hinterfragen des Einsatzes findet nicht statt.

Bei den Darstellerpreisen blieben die Überraschungen dagegen aus. Der Auftritt von Talk-Queen Oprah Winfrey zeigte zwar auf unheimliche Weise deren Macht (sie durfte als einzige Nicht-Schauspielerin auf die Bühne), ihr Einsatz für ihr Protegé , Gabourey Sidibe in "Precious" half aber nichts. Die Trophäe für Sandra Bullock in "Blind Side" war erwartet worden - und ist auch ein Preis für eine Frau, die ihre Karriere als Produzentin in die eigene Hand nimmt.  Der Oscar für Jeff Bridges in "Crazy Heart" war ebenfalls verdient - aber auch überfällig. Beiden Filmen gemeinsam ist der milde Ton der Dramen mit einer positiven Endnote. Das passt offenbar in die Großwetterlage der Vereinigten Staaten unter Obama. Zu Zeiten von Bush wären die Filme wohl als Schönfärberei abgetan worden.

Der beste Nebendarsteller wurde erwartungsgemäß Christoph Waltz, der schon begonnen hat, seine neue Popularität in Hollywood zu versilbern. Eine Comic-Verfilmung und weitere Projekte mit Kevin Costner und Teenieschwarm Robert Pattinson dürften eine Rückkehr nach Europa erstmal unwahrscheinlich machen.

So verlief die Megashow doch einigermassen versöhnlich. und einigermassen unaufregend. Das Moderatorenpaar Steve Martin und Alec Baldwin agierte trotz gelungener Pointen merkwürdig hüftsteif, wie man es eher von den kurzfristig zusammengestellten Lobrednern gewohnt ist. Zwei so erfahrene Darsteller weckten höhere Erwartungen. Auch der Glamourfaktor hielt sich in Grenzen, die große  Bühne wirkte wie aus einer TV-Show in den 70ern - selbst das Fernsehballett fehlte nicht.

So war die Oscarnacht in diesem Jahr ein Schritt nach vorne bei der Ausweitung der Kandidaten und einer zurück bei der politisch motivierten Vergabe, einer nach vorne bei der Auszeichnung einer weiblichen Regisseurin und einer zurück beim Entertainment-Faktor.

Um ihre Bedeutung in einer turbulenten Medienlandschaft müssen die altehrwürdigen Awards so weiter kämpfen.

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Kommentare: 1
  • #1

    grinsekätzchen (Donnerstag, 15 April 2010 12:01)

    interessanter beitrag - aber avatar ist ein spitzen film egal ob mit trophäe oder ohne

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