Die Krise im Kino

Die Weltwirtschaftskrise hat sich bisher im Alltag der meisten Menschen nicht gravierend bemerkbar gemacht. Auch am Arbeitsmarkt ist sie bislang weitgehend folgenlos geblieben. Und auch wenn einige Wirtschaftswissenschftler das dicke Ende noch erwarten, sehen viele doch auch schon das Licht am Ende des (ohnehin gut beleuchteten) Tunnels. Aber eine ganz andere Krise deutet sich für 2010 doch an. Das deutsche Kino wird in diesem Jahr deutlich an Boden verlieren. In den vergangenen Jahren hatte sich ein Marktanteil von etwa 25 Prozent als Standard etabliert. Mal durch Ausnahmeblockbuster wie "Die sieben Zwerge" oder "Der Schuh des Manitu", mal durch eine breiter aufgestellte Spitze mit etlichen Filmen über der magischen Grenze von eine Million Zuschauern. Aber 2010 ? Da ist weder das eine noch das andere in Sicht. Detlef Bucks Asia-Liebesdrama "Same Same but different" und Vilsmayers Messner-Huldigung "Nanga Parbat" haben kaum Hitpotential. Im März wird Christian Tramitz als Jerry Cotton ins Rennen geschickt, muss aber erstmal beweisen, dass er auch ohne Michael Bully Herbig die Massen anzieht. Der Maestro selbst wiederum hat derzeit nichts in der Pipeline (auch wenn Wickie 2 wohl unvermeidlich ist). Oder verbirgt er sich gar hinter dem noch anonymen "Constantin Überaschungsfilm" ? Zur Weihnachtszeit ist dann immerhin Otto mit seiner Clooney-Verarsche Ottos Eleven am Start. Aber der traditionell vielversprechende Kinoherbst, zwischen den Sommerblockbustern und den Weihnachtsfilmen ist noch völlig ungenutzt. Sicher fehlen noch einige deutsche Filme in den Startlisten. Aber die potentiellen Hits und Großproduktionen müssten jetzt schon bekannt sein. Aber nichts ist in Sicht. Die Bilanz am Jahresende droht, düster auszufallen. Wo sind all die renommierten Regisseure bloss ? Die meisten Talente drehen lieber in Hollywood (Robert Schwentke, Florian Henckel von Donnersmarck, Mennan Yapo, Oliver Hirschbiegel).Zu lange hat sich die deutsche Filmindustrie auf einige wenige Heilsbringer verlassen. Danach kommt lange nichts - oder zumindest viel zu wenig. In Frankreich erreichen (bei geringerer Einwohnerzahl) deutlich mehr Filme pro Jahr über eine Million Zuschauer. Die Schuld daran dem hierzulande vermeintlich weniger kinoaffinen Publikum zu geben, wäre falsch. Das hat das überaus erfolgreiche Jahr 2009 bewiesen. Es geht also durchaus. Aber es fehlt ausreichender Nachschub, der einigermaßen regelmäßig und in international konkurrenzfähiger Qualität produziert wird.

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