Mo

08

Mär

2010

...and the loser is....

Was ist denn da passiert ? Avatar, der lukrativste Film aller Zeiten wurde bei den Oscars abgewatscht. Drei Preise für die herausragende, bahnbrechende Technik gab es, aber keinen für den Mann, der das alles erst angeschoben hat. James Cameron musste mit ansehen, wie seine Ex-Frau Kathryn Bigelow ihm die bedeutenden Trophäen für die Regie und den besten Film wegschnappte.

Dabei hatte die Academy eigens den Kreis der nominierten Filme auf zehn erhöht, um auch massenkompatible Werke einzubeziehen und so mehr Zuschauer anzulocken. Und dann wurde diese Strategie als pure Kosmetik entlarvt. Der Preis ging an ein realistisches, vergleichsweise billiges Drama zu einem aktuellen Thema. Avatar braucht die Werbewirkung der Oscars natürlich nicht so sehr wie "Hurt Locker". Ein schlechter Geschmack bleibt aber, weil schon im Vorfeld gefordert wurde, dass nun endlich mal eine Frau gewinnen müsste. Der Oscar für den besten Film wurde damit einer vermeintlichen emanzipatorischen Bringschuld geopfert, und eben nicht nach künstlerischen Gesichtspunkten vergeben. Und eine neue weibliche Perspektive in den Filmen von Bigelow sucht man auch vergeblich.

Wer in der Auszeichnung für "The Hurt Locker" eine politische Stellungnahme zum unbequemen Thema Irakkrieg sieht, hat recht. Dabei ist der Film selbst in der Frage merkwürdig konturlos. Bitte nicht missverstehen: "Tödliches Kommando" bietet eine enorme Spannung und eine sehr authentische Atmosphäre. Das haben andere Irakkriegsfilme aber auch schon getan. Aber auch "The Hurt Locker" nimmt in dem Konflikt eine amerikazentristische Position ein. Ein Blick über den Tellerrand, Verständnis für die eigentlichen Opfer, die Iraker ist noch nicht einmal Nebensache. Stattdessen füttert der Film die diffuse "Support our troops"-Stimmung in den USA. Ein grundlegendes Hinterfragen des Einsatzes findet nicht statt.

Bei den Darstellerpreisen blieben die Überraschungen dagegen aus. Der Auftritt von Talk-Queen Oprah Winfrey zeigte zwar auf unheimliche Weise deren Macht (sie durfte als einzige Nicht-Schauspielerin auf die Bühne), ihr Einsatz für ihr Protegé , Gabourey Sidibe in "Precious" half aber nichts. Die Trophäe für Sandra Bullock in "Blind Side" war erwartet worden - und ist auch ein Preis für eine Frau, die ihre Karriere als Produzentin in die eigene Hand nimmt.  Der Oscar für Jeff Bridges in "Crazy Heart" war ebenfalls verdient - aber auch überfällig. Beiden Filmen gemeinsam ist der milde Ton der Dramen mit einer positiven Endnote. Das passt offenbar in die Großwetterlage der Vereinigten Staaten unter Obama. Zu Zeiten von Bush wären die Filme wohl als Schönfärberei abgetan worden.

Der beste Nebendarsteller wurde erwartungsgemäß Christoph Waltz, der schon begonnen hat, seine neue Popularität in Hollywood zu versilbern. Eine Comic-Verfilmung und weitere Projekte mit Kevin Costner und Teenieschwarm Robert Pattinson dürften eine Rückkehr nach Europa erstmal unwahrscheinlich machen.

So verlief die Megashow doch einigermassen versöhnlich. und einigermassen unaufregend. Das Moderatorenpaar Steve Martin und Alec Baldwin agierte trotz gelungener Pointen merkwürdig hüftsteif, wie man es eher von den kurzfristig zusammengestellten Lobrednern gewohnt ist. Zwei so erfahrene Darsteller weckten höhere Erwartungen. Auch der Glamourfaktor hielt sich in Grenzen, die große  Bühne wirkte wie aus einer TV-Show in den 70ern - selbst das Fernsehballett fehlte nicht.

So war die Oscarnacht in diesem Jahr ein Schritt nach vorne bei der Ausweitung der Kandidaten und einer zurück bei der politisch motivierten Vergabe, einer nach vorne bei der Auszeichnung einer weiblichen Regisseurin und einer zurück beim Entertainment-Faktor.

Um ihre Bedeutung in einer turbulenten Medienlandschaft müssen die altehrwürdigen Awards so weiter kämpfen.

mehr lesen 1 Kommentare

Fr

05

Mär

2010

...and the winner is...

Wenn an diesem Wochenende die Oscars verliehen werden, wird einiges anders sein.

Die von Jahr zu Jahr schwindenden Zuschauerzahlen erfordern eine Reaktion.

Zum ersten Mal stehen zehn Kandidaten zur Wahl als bester Film.So sollen auch weniger ambitionierte Filme sich im Glanz der Nominierung sonnen können. Dabei hat prinzipiell jeder einzelne der Kandidaten das nötige Format.

Der Gewinner kann allerdings nur "Avatar" heißen. Dem erfolgreichsten Film aller Zeiten die Trophäe zu verweigern würde die Academy in den Augen von Millionen Kinogängern auf Jahre hinaus lächerlich machen und die Bedeutung der Preise untergraben. Und ganz unter uns: der immer als größter Konkurrent gehandelte "Hurt Locker" von James Camerons Ex-Frau Kathryn Bigelow ist zwar packend und beleuchtet eine bislang wenig beachtete Facette des Irakkriegs. Aber eben auch nicht mehr. Auch in den technischen Kategorien dürfte keiner der Mitbewerber eine Chance haben - mit Ausnahme vom Szenenbild (Art Direction). Denn trotz des Vormarsches der Digitaltechnik wird hier doch gerne noch die gute alte klassische Ausstattung prämiert, keine komplett im Computer entstandenen Welten.

 

Bei den nicht englischsprachigen Filmen hoffen viele auf einen Erfolg von "Das weisse Band". Das spröde Drama wird aber schwer haben gegen das französische Knastdrama "Ein Prophet". Mein Geheimtipp ist allerdings der israelische Episodenfilm "Ajami", mit dem die Academy ein politisches Statement zum Nahostkonflikt setzen könnte. 

 

Bei den Trickfilmen wäre es eine interessante Abwechslung wenn die in altmodischer Stopmotion-Technik gedrehten "Coraline" oder "Der fantastische Mr. Fox" punkten könnten, beides Filme die sich an ein eher erwachsenes Publikum richten. Aber der Triumph von Pixar mit "Oben" dürfte unausweichlich sein, denn die können Anspruch, Familientauglichkeit, Fantasie und modernste Technik vereinen.

 

Der Darstellerpreis muss in diesem Jahr an Jeff Brdiges gehen, einfach weil es überfällig ist, und nur der Oscar-Dauergast George Clooney halbwegs an seine Leistung heranreicht. Ein Oscar für Morgan Freeman wäre dagegen nur eine umständliche Art, Nelson Mandela zu ehren.

Bester Nebendarsteller ist zweifellos Christoph Waltz - der dadurch aber die Siegchancen von "Das weisse Band" verringert.

 

Bei den Hauptdarstellerinnen dürfte Sandra Bullock triumphieren, die in "Blind Side" gleichzeitig schrill, subtil, komisch und bewegend spielt. Bei den Nebendarstellerinnen setze ich auf Mo´nique, die in "Precious" ohne Rücksicht auf Verluste eine Unterschichten-Mom spielt, die gleichzeitig Täter und Opfer ist. Und die Werbekampagne von US-Talkikone Oprah Winfrey für den Film dürfte an der Academy nicht spurlos vorbeigehen.

 

Bleibt nur noch eine Frage: Was packe ich in den Kühlschrank um die lange Filmnacht des Jahres durchzuhalten ?

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Mi

27

Jan

2010

Die Krise im Kino

Die Weltwirtschaftskrise hat sich bisher im Alltag der meisten Menschen nicht gravierend bemerkbar gemacht. Auch am Arbeitsmarkt ist sie bislang weitgehend folgenlos geblieben. Und auch wenn einige Wirtschaftswissenschftler das dicke Ende noch erwarten, sehen viele doch auch schon das Licht am Ende des (ohnehin gut beleuchteten) Tunnels. Aber eine ganz andere Krise deutet sich für 2010 doch an. Das deutsche Kino wird in diesem Jahr deutlich an Boden verlieren. In den vergangenen Jahren hatte sich ein Marktanteil von etwa 25 Prozent als Standard etabliert. Mal durch Ausnahmeblockbuster wie "Die sieben Zwerge" oder "Der Schuh des Manitu", mal durch eine breiter aufgestellte Spitze mit etlichen Filmen über der magischen Grenze von eine Million Zuschauern. Aber 2010 ? Da ist weder das eine noch das andere in Sicht. Detlef Bucks Asia-Liebesdrama "Same Same but different" und Vilsmayers Messner-Huldigung "Nanga Parbat" haben kaum Hitpotential. Im März wird Christian Tramitz als Jerry Cotton ins Rennen geschickt, muss aber erstmal beweisen, dass er auch ohne Michael Bully Herbig die Massen anzieht. Der Maestro selbst wiederum hat derzeit nichts in der Pipeline (auch wenn Wickie 2 wohl unvermeidlich ist). Oder verbirgt er sich gar hinter dem noch anonymen "Constantin Überaschungsfilm" ? Zur Weihnachtszeit ist dann immerhin Otto mit seiner Clooney-Verarsche Ottos Eleven am Start. Aber der traditionell vielversprechende Kinoherbst, zwischen den Sommerblockbustern und den Weihnachtsfilmen ist noch völlig ungenutzt. Sicher fehlen noch einige deutsche Filme in den Startlisten. Aber die potentiellen Hits und Großproduktionen müssten jetzt schon bekannt sein. Aber nichts ist in Sicht. Die Bilanz am Jahresende droht, düster auszufallen. Wo sind all die renommierten Regisseure bloss ? Die meisten Talente drehen lieber in Hollywood (Robert Schwentke, Florian Henckel von Donnersmarck, Mennan Yapo, Oliver Hirschbiegel).Zu lange hat sich die deutsche Filmindustrie auf einige wenige Heilsbringer verlassen. Danach kommt lange nichts - oder zumindest viel zu wenig. In Frankreich erreichen (bei geringerer Einwohnerzahl) deutlich mehr Filme pro Jahr über eine Million Zuschauer. Die Schuld daran dem hierzulande vermeintlich weniger kinoaffinen Publikum zu geben, wäre falsch. Das hat das überaus erfolgreiche Jahr 2009 bewiesen. Es geht also durchaus. Aber es fehlt ausreichender Nachschub, der einigermaßen regelmäßig und in international konkurrenzfähiger Qualität produziert wird.

mehr lesen 0 Kommentare

Mi

27

Mai

2009

Automatisch gut ?

In den USA konnte "Terminator - Die Erlösung", der vierte Eintrag der Terminator-Reihe im Kino nicht an die Spitze stürmen.  Stattdessen legte der geschätze 200 Millionen Dollar teure Film nur den achtbesten Start des Jahres hin.  Und das  am traditionell starken "Memorial Day-Weekend". Das ist schon eine veritable Bruchlandung, wenn auch kein Totalschaden.

Lasst euch davon nicht abschrecken. Schlecht ist T4 nicht. Action-Fans kommen auf ihre Kosten. Dafür ist die Story knappgehalten,  und selbst wenn Arnie einen virtuellen Gastauftritt hinlegt, fehlen das Herz und der Humor des klassischen zweiten Terminator-Films. Stattdessen gibts eine ganze Armada neuer Terminatoren, die der nach der Apokalypse noch verbliebenen Restmenschheit das Leben schwer machen. Zweieinhalb Stunden  lang wird fast nur geschossen, geprügelt, geflogen, gerast und gelitten.

Düsteres Popcorn-Kino de Luxe . Nicht mehr , aber auch nicht weniger.

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Sa

02

Mai

2009

Im Auge

Das Ereignis der kommenden Woche: Die Preview zu "Illuminati", der neuen Dan-Brown-Verfilmung mit Tom Hanks. Nachdem MegaHype um den Pseudo-Skandal des ersten Films ("Hatte Jesus eine Frau ?") fehl dem neuen Kirchenkrimi ein bißchen der Promo-Kick. Iche rechne daher auch mit erheblich geringerem Publikumsinteresse. Trotzdem könnte Illuminati einer der Kinohits des Jahres sein. Was der Film selbst taugt, erfahrt ihr in den nächsten Tagen hier.

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Mo

08

Mär

2010

...and the loser is....

Was ist denn da passiert ? Avatar, der lukrativste Film aller Zeiten wurde bei den Oscars abgewatscht. Drei Preise für die herausragende, bahnbrechende Technik gab es, aber keinen für den Mann, der das alles erst angeschoben hat. James Cameron musste mit ansehen, wie seine Ex-Frau Kathryn Bigelow ihm die bedeutenden Trophäen für die Regie und den besten Film wegschnappte.

Dabei hatte die Academy eigens den Kreis der nominierten Filme auf zehn erhöht, um auch massenkompatible Werke einzubeziehen und so mehr Zuschauer anzulocken. Und dann wurde diese Strategie als pure Kosmetik entlarvt. Der Preis ging an ein realistisches, vergleichsweise billiges Drama zu einem aktuellen Thema. Avatar braucht die Werbewirkung der Oscars natürlich nicht so sehr wie "Hurt Locker". Ein schlechter Geschmack bleibt aber, weil schon im Vorfeld gefordert wurde, dass nun endlich mal eine Frau gewinnen müsste. Der Oscar für den besten Film wurde damit einer vermeintlichen emanzipatorischen Bringschuld geopfert, und eben nicht nach künstlerischen Gesichtspunkten vergeben. Und eine neue weibliche Perspektive in den Filmen von Bigelow sucht man auch vergeblich.

Wer in der Auszeichnung für "The Hurt Locker" eine politische Stellungnahme zum unbequemen Thema Irakkrieg sieht, hat recht. Dabei ist der Film selbst in der Frage merkwürdig konturlos. Bitte nicht missverstehen: "Tödliches Kommando" bietet eine enorme Spannung und eine sehr authentische Atmosphäre. Das haben andere Irakkriegsfilme aber auch schon getan. Aber auch "The Hurt Locker" nimmt in dem Konflikt eine amerikazentristische Position ein. Ein Blick über den Tellerrand, Verständnis für die eigentlichen Opfer, die Iraker ist noch nicht einmal Nebensache. Stattdessen füttert der Film die diffuse "Support our troops"-Stimmung in den USA. Ein grundlegendes Hinterfragen des Einsatzes findet nicht statt.

Bei den Darstellerpreisen blieben die Überraschungen dagegen aus. Der Auftritt von Talk-Queen Oprah Winfrey zeigte zwar auf unheimliche Weise deren Macht (sie durfte als einzige Nicht-Schauspielerin auf die Bühne), ihr Einsatz für ihr Protegé , Gabourey Sidibe in "Precious" half aber nichts. Die Trophäe für Sandra Bullock in "Blind Side" war erwartet worden - und ist auch ein Preis für eine Frau, die ihre Karriere als Produzentin in die eigene Hand nimmt.  Der Oscar für Jeff Bridges in "Crazy Heart" war ebenfalls verdient - aber auch überfällig. Beiden Filmen gemeinsam ist der milde Ton der Dramen mit einer positiven Endnote. Das passt offenbar in die Großwetterlage der Vereinigten Staaten unter Obama. Zu Zeiten von Bush wären die Filme wohl als Schönfärberei abgetan worden.

Der beste Nebendarsteller wurde erwartungsgemäß Christoph Waltz, der schon begonnen hat, seine neue Popularität in Hollywood zu versilbern. Eine Comic-Verfilmung und weitere Projekte mit Kevin Costner und Teenieschwarm Robert Pattinson dürften eine Rückkehr nach Europa erstmal unwahrscheinlich machen.

So verlief die Megashow doch einigermassen versöhnlich. und einigermassen unaufregend. Das Moderatorenpaar Steve Martin und Alec Baldwin agierte trotz gelungener Pointen merkwürdig hüftsteif, wie man es eher von den kurzfristig zusammengestellten Lobrednern gewohnt ist. Zwei so erfahrene Darsteller weckten höhere Erwartungen. Auch der Glamourfaktor hielt sich in Grenzen, die große  Bühne wirkte wie aus einer TV-Show in den 70ern - selbst das Fernsehballett fehlte nicht.

So war die Oscarnacht in diesem Jahr ein Schritt nach vorne bei der Ausweitung der Kandidaten und einer zurück bei der politisch motivierten Vergabe, einer nach vorne bei der Auszeichnung einer weiblichen Regisseurin und einer zurück beim Entertainment-Faktor.

Um ihre Bedeutung in einer turbulenten Medienlandschaft müssen die altehrwürdigen Awards so weiter kämpfen.

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Fr

05

Mär

2010

...and the winner is...

Wenn an diesem Wochenende die Oscars verliehen werden, wird einiges anders sein.

Die von Jahr zu Jahr schwindenden Zuschauerzahlen erfordern eine Reaktion.

Zum ersten Mal stehen zehn Kandidaten zur Wahl als bester Film.So sollen auch weniger ambitionierte Filme sich im Glanz der Nominierung sonnen können. Dabei hat prinzipiell jeder einzelne der Kandidaten das nötige Format.

Der Gewinner kann allerdings nur "Avatar" heißen. Dem erfolgreichsten Film aller Zeiten die Trophäe zu verweigern würde die Academy in den Augen von Millionen Kinogängern auf Jahre hinaus lächerlich machen und die Bedeutung der Preise untergraben. Und ganz unter uns: der immer als größter Konkurrent gehandelte "Hurt Locker" von James Camerons Ex-Frau Kathryn Bigelow ist zwar packend und beleuchtet eine bislang wenig beachtete Facette des Irakkriegs. Aber eben auch nicht mehr. Auch in den technischen Kategorien dürfte keiner der Mitbewerber eine Chance haben - mit Ausnahme vom Szenenbild (Art Direction). Denn trotz des Vormarsches der Digitaltechnik wird hier doch gerne noch die gute alte klassische Ausstattung prämiert, keine komplett im Computer entstandenen Welten.

 

Bei den nicht englischsprachigen Filmen hoffen viele auf einen Erfolg von "Das weisse Band". Das spröde Drama wird aber schwer haben gegen das französische Knastdrama "Ein Prophet". Mein Geheimtipp ist allerdings der israelische Episodenfilm "Ajami", mit dem die Academy ein politisches Statement zum Nahostkonflikt setzen könnte. 

 

Bei den Trickfilmen wäre es eine interessante Abwechslung wenn die in altmodischer Stopmotion-Technik gedrehten "Coraline" oder "Der fantastische Mr. Fox" punkten könnten, beides Filme die sich an ein eher erwachsenes Publikum richten. Aber der Triumph von Pixar mit "Oben" dürfte unausweichlich sein, denn die können Anspruch, Familientauglichkeit, Fantasie und modernste Technik vereinen.

 

Der Darstellerpreis muss in diesem Jahr an Jeff Brdiges gehen, einfach weil es überfällig ist, und nur der Oscar-Dauergast George Clooney halbwegs an seine Leistung heranreicht. Ein Oscar für Morgan Freeman wäre dagegen nur eine umständliche Art, Nelson Mandela zu ehren.

Bester Nebendarsteller ist zweifellos Christoph Waltz - der dadurch aber die Siegchancen von "Das weisse Band" verringert.

 

Bei den Hauptdarstellerinnen dürfte Sandra Bullock triumphieren, die in "Blind Side" gleichzeitig schrill, subtil, komisch und bewegend spielt. Bei den Nebendarstellerinnen setze ich auf Mo´nique, die in "Precious" ohne Rücksicht auf Verluste eine Unterschichten-Mom spielt, die gleichzeitig Täter und Opfer ist. Und die Werbekampagne von US-Talkikone Oprah Winfrey für den Film dürfte an der Academy nicht spurlos vorbeigehen.

 

Bleibt nur noch eine Frage: Was packe ich in den Kühlschrank um die lange Filmnacht des Jahres durchzuhalten ?

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Mi

27

Jan

2010

Die Krise im Kino

Die Weltwirtschaftskrise hat sich bisher im Alltag der meisten Menschen nicht gravierend bemerkbar gemacht. Auch am Arbeitsmarkt ist sie bislang weitgehend folgenlos geblieben. Und auch wenn einige Wirtschaftswissenschftler das dicke Ende noch erwarten, sehen viele doch auch schon das Licht am Ende des (ohnehin gut beleuchteten) Tunnels. Aber eine ganz andere Krise deutet sich für 2010 doch an. Das deutsche Kino wird in diesem Jahr deutlich an Boden verlieren. In den vergangenen Jahren hatte sich ein Marktanteil von etwa 25 Prozent als Standard etabliert. Mal durch Ausnahmeblockbuster wie "Die sieben Zwerge" oder "Der Schuh des Manitu", mal durch eine breiter aufgestellte Spitze mit etlichen Filmen über der magischen Grenze von eine Million Zuschauern. Aber 2010 ? Da ist weder das eine noch das andere in Sicht. Detlef Bucks Asia-Liebesdrama "Same Same but different" und Vilsmayers Messner-Huldigung "Nanga Parbat" haben kaum Hitpotential. Im März wird Christian Tramitz als Jerry Cotton ins Rennen geschickt, muss aber erstmal beweisen, dass er auch ohne Michael Bully Herbig die Massen anzieht. Der Maestro selbst wiederum hat derzeit nichts in der Pipeline (auch wenn Wickie 2 wohl unvermeidlich ist). Oder verbirgt er sich gar hinter dem noch anonymen "Constantin Überaschungsfilm" ? Zur Weihnachtszeit ist dann immerhin Otto mit seiner Clooney-Verarsche Ottos Eleven am Start. Aber der traditionell vielversprechende Kinoherbst, zwischen den Sommerblockbustern und den Weihnachtsfilmen ist noch völlig ungenutzt. Sicher fehlen noch einige deutsche Filme in den Startlisten. Aber die potentiellen Hits und Großproduktionen müssten jetzt schon bekannt sein. Aber nichts ist in Sicht. Die Bilanz am Jahresende droht, düster auszufallen. Wo sind all die renommierten Regisseure bloss ? Die meisten Talente drehen lieber in Hollywood (Robert Schwentke, Florian Henckel von Donnersmarck, Mennan Yapo, Oliver Hirschbiegel).Zu lange hat sich die deutsche Filmindustrie auf einige wenige Heilsbringer verlassen. Danach kommt lange nichts - oder zumindest viel zu wenig. In Frankreich erreichen (bei geringerer Einwohnerzahl) deutlich mehr Filme pro Jahr über eine Million Zuschauer. Die Schuld daran dem hierzulande vermeintlich weniger kinoaffinen Publikum zu geben, wäre falsch. Das hat das überaus erfolgreiche Jahr 2009 bewiesen. Es geht also durchaus. Aber es fehlt ausreichender Nachschub, der einigermaßen regelmäßig und in international konkurrenzfähiger Qualität produziert wird.

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Mi

27

Mai

2009

Automatisch gut ?

In den USA konnte "Terminator - Die Erlösung", der vierte Eintrag der Terminator-Reihe im Kino nicht an die Spitze stürmen.  Stattdessen legte der geschätze 200 Millionen Dollar teure Film nur den achtbesten Start des Jahres hin.  Und das  am traditionell starken "Memorial Day-Weekend". Das ist schon eine veritable Bruchlandung, wenn auch kein Totalschaden.

Lasst euch davon nicht abschrecken. Schlecht ist T4 nicht. Action-Fans kommen auf ihre Kosten. Dafür ist die Story knappgehalten,  und selbst wenn Arnie einen virtuellen Gastauftritt hinlegt, fehlen das Herz und der Humor des klassischen zweiten Terminator-Films. Stattdessen gibts eine ganze Armada neuer Terminatoren, die der nach der Apokalypse noch verbliebenen Restmenschheit das Leben schwer machen. Zweieinhalb Stunden  lang wird fast nur geschossen, geprügelt, geflogen, gerast und gelitten.

Düsteres Popcorn-Kino de Luxe . Nicht mehr , aber auch nicht weniger.

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Sa

02

Mai

2009

Im Auge

Das Ereignis der kommenden Woche: Die Preview zu "Illuminati", der neuen Dan-Brown-Verfilmung mit Tom Hanks. Nachdem MegaHype um den Pseudo-Skandal des ersten Films ("Hatte Jesus eine Frau ?") fehl dem neuen Kirchenkrimi ein bißchen der Promo-Kick. Iche rechne daher auch mit erheblich geringerem Publikumsinteresse. Trotzdem könnte Illuminati einer der Kinohits des Jahres sein. Was der Film selbst taugt, erfahrt ihr in den nächsten Tagen hier.

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