Inglourious Basterds

Eigentlich handelt es sich hier um glatten Etikettenschwindel.
Die titelgebende Bande von Nazikillern angeführt von Brad Pitt steht über weite Strecken des Films nicht im Mittelpunkt. Es werden also nicht im Minutentakt Nazis geköpft, erschossen, erwürgt oder in die Luft gesprengt. Wenns passiert , dann allerdings drastisch, allerdings auch sehr trashig, eben im Stil der billigen 70er-Action-Schund-Streifen, die Tarantino so liebt. Tatsächlich ist die Geschichte der jüdischen Waise Shoshannah genauso wichtig, wenn nicht wichtiger. Aber dazu später. Zunächst mal : Dieser Film macht mordsmäßig Spaß und lässt sich dabei in keine Schublade zwängen. Einzelne Szenen scheinen sich endlos hinzuziehen, vollgestopft mit Banalitäten. Der Gestapo-Ermittler, grandios gespielt von Christoph Waltz unterhält sich mit einem Bauern, betrunkene Soldaten vergnügen sich bei albernen Trinkspielen. Aber immer wird dabei eine unheimlche Spannung aufgebaut, die sich dannn entlädt wenn man es schon fast nicht mehr erwartet. Die Auftritte von Brad Pitt sind dagegen deutlich kürzer, offenbar stand er nicht immer zur Verfügung. Dafür macht er jede seiner Szene zu einem Highlight wobei er nicht gerade subtil vorgeht sondern als texanisch-nuschelnder Nazikiller richtig in die Vollen geht (zumindest in der Originalfassung).
Daneben glänzt noch August Diehl als finsterer Nazischerge, Daniel Brühl ist immerhin o.k. und Til Schweiger guckt so finster wie er kann.
Nicht verschweigen darf man bei Tarantino natürlich den wieder einmal grandiosen Soundtrack, der einen kuriosen Querschnitt von altem Blues, Chansons, schwülstigen 70er-Jahre-Orchester-Klängen bis zu trashigen Disco-Sounds bietet.
Und natürlich ist Tarantinos neues Werk gespickt mit Filmzitaten und Anspielungen. Diesmal geht er allerdings weiter. Das Finale in einem Kino, in dem die Nazi-Elite ihren schlechten Filmgeschmack offenbart, in dem ein Filmschnitt alles ändert, in dem Filmmaterial zum Sprengstoff wird, das ist ein echtes Meisterstück.